Gefahrenzone Autobahn-Baustelle

Auf Deutschlands Autobahnen wird gebaut wie lange nicht. Das ist erfreulich, ängstigt aber auch die Nutzer. Enge Spuren, kurze Auf- und Abfahrten oder unklare Verkehrsführungen treiben Autofahrern den kalten Schweiß auf die Stirn.

Über 1.280 Unfälle ereigneten sich laut Datenbank Statista im Jahr 2015 in Autobahnbaustellen – das traurige Spitzenergebnis seit 15 Jahren. Besonders häufig knallt es nach Angaben der Unfallforschung der Autoversicherer auf Überleitungen und Verschwenkungen und am Ende von Baustellen sowie an Behelfsanschlussstellen. Und dass alles auf Spuren, die oft schmaler als die Fahrzeuge selbst sind.

Wie also kommt man unbeschadet durch die Engstellen?

Generell wird geraten, sich schon bei Ankündigung der Baustelle auf die mögliche Gefahr einzustellen: Tempo drosseln, dabei nicht abrupt bremsen, Überholmanöver beenden, ausreichend Abstand halten. Und ganz wichtig: Nicht jeder Wagen darf auf der Überholspur fahren.

Wo gebuddelt wird, darüber informieren beispielsweise die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) oder der ADAC. Die Abfrage schützt besonders auf der Urlaubsfahrt vor bösen Überraschungen – Ausweichrouten können geplant werden.

Das wird eng: Die Baurichtlinie des Bundes schreibt aktuell für die linke, schmalere Fahrspur eine Mindestbreite von 2,10 Metern plus einem seitlichen Sicherheitsabstand von jeweils 25 Zentimetern vor.

Kleintransporter und viele größere Autos sind dafür zu breit. Denn was viele Fahrer nicht wissen: Die Angaben im Fahrzeugschein beziehen sich auf das Maß ohne Spiegel und Anbauten. Wer unsicher ist, zuckelt besser auf der rechten Spur den Brummis hinterher.

Tempolimits und Überholverbote stehen nicht umsonst am Fahrbahnrand. Sie sollten unbedingt eingehalten werden – auch, weil die Polizei in Baustellen gern mit Blitzern unterwegs ist. Eine andere Möglichkeit, Unfälle zu vermeiden, ist die Empfehlung des versetzten Fahrens.

Verschwenkungen und Überleitungen haben es besonders in sich. Lastkraftwagen brauchen dort extrem Platz und kommen aufgrund vorhandener Bodenunebenheiten leicht ins Schlingern. Autofahrer sollten die Gefahrenzonen vorsichtig ansteuern und nicht schon vor dem Baustellenende beschleunigen.

Autobahnauffahrten in Baustellen sind kurz. Die Kolonne fährt dicht an dicht und lässt wenig Platz zum Einscheren. Wer sich hier einordnen will, muss umsichtig und schnell reagieren: Blick zum Vorausfahrenden, in den Rückspiegel, über die Schulter.

Dann zügig und nicht erst am Ende der Einfahrt die Spur wechseln. Aus dem Stand wird die Aufgabe noch schwerer. Der fließende Verkehr sollte helfen, indem er ausreichend Lücken für das Einordnen lässt.
Reduzieren sich die Fahrspuren, gilt das Reißverschluss-Prinzip: Die Fahrzeuge fädeln sich der Reihe nach ein. Und das nicht schon 500 Meter vor, sondern erst an der Engstelle. Bei der Fahrbahnmarkierung hat Gelb Vorrang vor Weiß.

Eine Horrorvorstellung: Das Fahrzeug hat eine Panne mitten im Pulk. Jetzt heißt es Ruhe bewahren, Warnblinker einschalten, das Auto rechts ranfahren. Die Insassen streifen die Warnwesten über und steigen aus der dem Verkehr abgewandten Fahrzeugseite aus.