Reifen und Fahrer unter Druck

Reifendruck

Das Prüfen und Korrigieren des Reifendrucks macht nur bei kalten oder handwarmen Reifen Sinn. Quelle: ProMotor/Timo Volz.

Zugegeben, Reifendruck kontrollieren ist lästig: hinhocken, an den Ventilen fummeln, hin und her rennen, wenn kein transportables Messgerät da ist.

Und am Ende sind auch noch die Finger schmutzig. Dennoch: Falsche Werte kosten nicht nur mehr Sprit und Verschleiß, sie können auch gefährlich werden.

Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur Handwerk schätzt, dass bei rund 40 Prozent aller Verkehrsunfälle ein zu niedriger Reifendruck eine Rolle spielt. Schon ab 0,3 bar zu wenig Druck droht Gefahr. Lenken und Bremsen verschlechtern sich deutlich – verheerend besonders auf regennasser Straße. Die Temperatur steigt, der Reifen kann sich selbst zerstören.

Gründe für die Nachlässigkeit der Fahrzeugbesitzer gibt es einige. Dazu gehört Bequemlichkeit, aber auch die Unwissenheit vieler Autofahrer.

Den Reifendruck nur vor längeren Fahrten checken – das reicht?

Nein. Mindestens einmal im Monat – besser nach jeweils zwei Wochen – sollte Hand an die Reifenventile gelegt werden. Luft kann immer und vor allem schleichend entweichen, wenn sich beispielsweise ein Nagel in den Reifen gebohrt hat oder Bordsteinkanten touchiert werden. Das passiert öfter als man denkt.

Der Fülldruck ist jederzeit prüf- und korrigierbar?

Prüfen und korrigieren macht nur bei kalten, höchstens handwarmen Reifen Sinn. Denn mit jedem gefahrenen Kilometer erhöht sich die Temperatur. Die Luft dehnt sich aus, der Reifendruck erhöht sich. Das Ergebnis sind verfälschte Messwerte. Es wäre also fatal, auf der Fahrt in die Ferien den vermeintlich zu hohen Fülldruck der heißen Reifen abzulassen.

Besser mehr Druck als zu wenig?

Das gilt richtigerweise für die Fahrt in den Urlaub. Da müssen die Schlappen etliche Kilo mehr aushalten. Sonst nicht. Reifen mit dauerhaft zu hohem Luftdruck verlieren die Bodenhaftung genauso wie Pneus mit zu wenig Druck. Die Mitte der Lauffläche wölbt sich nach außen. Dadurch erhitzen und nutzen sich die Gummis stärker ab. Der fehlende Grip verändert zudem die Fahreigenschaften: längerer Bremsweg, instabilere Kurvenfahrt, weniger Fahrkomfort.

Am sichersten und optimalsten rollt es sich mit den vom Hersteller empfohlenen Richtwerten. Die stehen in der Bedienungsanleitung, am Türholmen oder in der Tankklappe.

Auf das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ist Verlass?

Richtig, die elektronischen Systeme zeigen Abweichungen vom Sollluftdruck automatisch mit einer Warnleuchte oder mit Daten im Cockpit an. Die Systeme berücksichtigen aber zulässige Toleranzen in der Anzeige, die zum Verschleiß führen können. Deshalb der Rat: auch hier regelmäßig manuell prüfen.

Fehlende Ventilkappen ersetzen?

Die kleinen Kappen sind nicht nur Zierde, sondern schützen vor Verschmutzungen des Ventileinsatzes. Sind sie beschädigt oder abhanden gekommen, werden die ungebetenen „Zutaten“ beim nächsten Füllen ins Ventil gedrückt. Das wird undicht und der Reifendruck lässt nach. Das kleine Teil kostet nicht die Welt und sollte schleunigst ersetzt werden.